Gefühlschaos Autonomiephase - von zerplatzten Seifenblasen - oder Eiskugeln

Oft fühlen wir uns hilflos angesichts des Verhaltens von Kleinkindern. Doch was passiert wenn wir hin spüren, in den Perspektivwechsel gehen und hinter das Verhalten blicken? Empathisch, wertschätzend und interessiert. Dann öffnet sich ein neuer Raum in dem wir unseren Kindern begegnen können - in dem wir unsere Kinder besser verstehen können.
Die Autonomiephase ist gezeichnet durch das, wie der Name schon sagt: autonom werden der Kinder. Sie verstehen sich zunehmend als eigenständige Menschen und möchten Selbstwirksamkeit erleben. Hinzu kommt das die Gehirnentwicklung auf emotionaler Ebene deutlich schneller passiert als auf der kognitiven Ebene. Das ist der Grund weshalb unsere Kinder oft ganz unvermittelt in einem Strudel aus Gefühlen versinken und wir keinen Zugang mehr zu ihnen haben. Die Ursache liegt darin, dass sie schlichtweg auf Grund der fehlenden Kognition keine Möglichkeit zum umplanen haben. Wenn sie also eine Idee oder ein Vorhaben nicht umsetzen können – unabhängig davon aus welchem Grund - ist es ihnen nicht möglich sich einen anderen Vorschlag auszudenken oder auch von jemand anderem anzunehmen. Oft versuchen die Eltern die Kinder mit etwas reizvollem zu beschwichtigen. Sie sind jedoch schlichtweg nicht in der Lage etwas anderes zuzulassen. Dafür fehlt die kognitive Gehirnreife.
Diese sogenannten Wutanfälle sind nichts anderes als ein totaler Systemzusammenbruch - eine Überforderungsreaktion vom Gehirn. Die Kinder weinen, schreien, lassen sich auf den Boden fallen. Wichtig zu wissen: sie versuchen die Eltern damit niemals zu manipulieren oder an der Nase herumzuführen. Sie sind keine Tyrannen! Nein, sie sind selbst vollkommen verzweifelt und überfordert.
Dabei kann sich die Häufigkeit, die Intensität und die Dauer solcher emotionalen Situationen von Kind zu Kind sehr unterscheiden. Manche Kinder sind davon wirklich sehr betroffen. Für die Eltern ist das natürlich auch sehr anstrengend. Besser wird es nicht wenn von außen noch nett gemeinte Ratschläge kommen.
Wenn wir in den Perspektivwechsel gehen fällt es uns leichter das zu verstehen.Für die Kinder ist ihre Idee für beispielsweise ein Eis in dem Moment das ultimative Ding - sie sind voller Vorfreude ganz im Hier und Jetzt. Wenn das nun so nicht klappt fühlt sich das für ein Kind wahrscheinlich in etwa so an, als ob uns bei der Ankunft am Flughafen oder Bahnhof gesagt wird das es heute keine Reisemöglichkeit an unseren Urlaubsort gibt. Wann genau wir reisen können und ob kann uns keiner sagen. Und wir stehen da nun vollkommen hilflos am Schalter. Welcher Erwachsene würde sich da umdrehen und sagen "Na gut, dann fahr ich jetzt halt wieder heim. Echt blöd gelaufen."
Genau das erwarten wir aber von unseren Kindern. „Das Eis kannst du heute nicht haben. Beim nächsten Mal vielleicht" Das Kind kann den zeitlichen Horizont nicht überblicken. Vielleicht was diesen Tag angeht je nach Alter. Aber alles was darüber hinaus geht ist für das Kind unmöglich zu überblicken. Fühlt sich also an wie jetzt nicht und danach auch nicht mehr.
Wir können den Kindern helfen indem wir sie in ihren Gefühlen begleiten. Sie sind gerade dabei die ganze Palette an Gefühlen kennenzulernen und in sich zu integrieren. Ein enorm wichtiger Schritt in ihrer emotionalen Entwicklung.
Mehr über die Autonomiephase gibt es in meinem Kurs „Kinder besser verstehen“. Eine ganze Kurseinheit widme ich diesem spannenden Thema.
Der nächste Kurs startet ab 30.10.2020 in Berlin-Tegel.